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Alkohol macht auch die Angehörigen krank
„Ich heiße Elisabeth und gehe zu den Al-Anon-Familiengruppen von Alkoholkranken.“ Es ist eine mutige Frau, eine Frau, die gelernt hat, mit sich selbst und den Problemen des Lebens zurecht zu kommen, die das sagt. Und die auch sagt „Die Al-Anon-Gruppe Gelsenkirchen ist mein Lebensrettungsprogramm.“ In der Bundesrepublik Deutschland gibt es mehr Angehörige, die im Umfeld von Suchtkranke leben, als es Suchtkranke selbst gibt.
Die Angehörigen leiden unter den Folgen der Sucht und werden oft für das Leiden ihres suchtkranken Partners mitverantwortlich gemacht. Oftmals werden sie selbst krank und kommen mit ihrem Leben nicht mehr zurecht.
So auch Elisabeth, die glaubte, alles getan zu haben, um ihrem alkoholkranken Ehemann zu helfen und sich selbst darüber vergaß. Und die letztendlich mit einer Depression im Krankenhaus landete.
Oder Barbara, die ihren alkoholkranken Mann beim Arbeitgeber mit Ausreden entschuldigte, die alles – einschließlich das Leben ihres Mannes - managte und doch niemals konsequent genug war, ihr Helfer-Syndrom abzulegen.
Ihnen hat Al-Anon-Gelsenkirchen geholfen – eine anonyme Gemeinschaft von Angehörigen und Freunden von Alkoholikern, die sich treffen um Erfahrungen, Kraft und Hoffnung miteinander zu teilen und ihre Probleme zu lösen. Und auch den Partnern wurde geholfen, nicht zuletzt durch die Frauen, die begriffen hatten – „ich bin machtlos gegenüber dem Alkohol.“
Aber eben nicht machtlos gegenüber sich selbst. „Die Krankheit, die mein Mann hatte, war nicht die meine“, sieht Elisabeth heute. Und Barbara sagt:„Ich wollte helfen, ihn retten und habe erst durch Al-Anon gelernt, dass ich mir erst selbst helfen muss.“
Gelernt haben die beiden Gelsenkircherinnen auch, dass sie nicht schuld an der Krankheit ihrer Männer sind. Gelernt haben sie auch, dass sie zuerst eine Verantwortung gegenüber sich selbst haben. „Wir haben versucht stark zu sein, genau wie der Alkoholkranke es auch versucht. Doch wir hatten die Krücke „Alkohol“ nicht“, so Elisabeth.
Ihre Krücke war und ist Al-Anon. Obwohl beide Männer ihre Alkoholsucht überwunden haben, gehen die beiden Frauen immer noch zu diesen Treffen.
„Es ist eine Psychotherapie unter Gleichen“, stellt Elisabeth fest. In der anonymen Gruppe werden keine Ratschläge gegeben, es wird nur erzählt – von Erfahrungen, Hoffnungen, Rückschlägen. „Daraus lernt man, daraus zieht man Kraft und ist irgendwann so weit, sein Verhalten zu ändern und den anderen sein Leben leben zu lassen“, ist Barbara überzeugt und Elisabeth fügt hinzu: „Lieben heißt lassen.“
Gelassener sind beide geworden, selbstbewusster und so stark, dass sie auch anderen Problemen des Lebens leichter gegenüber treten können. Und teilen ihre Erfahrungen auch gerne mit anderen Angehörigen von Alkoholkranken.
Die Treffen finden dienstags um 19.30 Uhr in der Kontaktstelle der AA (Anonyme Alkoholiker), Ringstraße 29 in Gelsenkirchen, statt.
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