Laut Prioritätenliste wird
es in frühestens in fünf Jahren leiser
Geduld, Geduld und noch einmal Geduld – diesen Rat gab der Vorsitzende des Bürger- und Verkehrsvereins Essen-Dellwig seinen Leidensgenossen aus Karnap und Horst. Die durch die Bundesbahntrasse „Emschertalbahn“ Lärmgeschädigten trafen sich zu einer weiteren Versammlung im Karnaper Jägerhof.
Die Dellwiger haben fast 25 Jahre benötigt, bis sie die Umsetzung der geforderten Lärmschutzmaßnahmen erreichten. Vor acht Jahren nahm man erste Bemühungen intensiv wieder auf, hatte zahllose Ortstermine, stellte viele Anträge sowohl bei der Bahn – als auch auch bei der Politik. Es sei wichtig, so Vorsitzender Pfahl, dass man die Parteien auf seiner Seite habe. Es gehe darum, den Bürgern entlang der Bahnstrecken ein einigermaßen erträgliches Leben zu ermöglichen. Um dieses Ziel zu erreichen müssten, so Pfahl, alle Parteien im Sinne der Bürger an einem Strick ziehen.
Die Horster und Karnaper beschweren sich darüber, dass der Güterverkehr auf der Emschertalbahn-Strecke immer mehr zunimmt. Man könne oftmals nicht sein eigenes Wort verstehen und an normalen Schlaf könnten einige der Geschädigten gar nicht mehr denken.
Das große Problem ist, dass die Bundesbahn Lärmschutzmaßnahmen nur beim Bau neuer Strecken verwirklichen muss. Für die Altstrecken gibt es einen Topf der Bahn AG aus dem solche Maßnahmen finanziert werden. Für die Umsetzung des Lärmsanierungsprogramms hatte die Bundesregierung der Bahn ursprünglich jährlich rund 51 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Damit hätte die komplette Lärmsanierung noch etwa 40 Jahre gedauert. Nachdem der Bundestag im letzten Jahr beschlossen hatte, die Mittel um 25 Mio. Euro auf 76 Millionen Euro zu erhöhen, wurde das Budget nun erneut aufgestockt: Ab diesem Jahr erhält die Bahn jährlich insgesamt 100 Mio. für die Lärmsanierung.
In dieser Prioritätenliste ist die Strecke „Bottrop-Gelsenkirchen“ mit einer Länge von 13,1 Kilometern zumindest schon einmal erfasst und trägt – im Gegensatz zu den meisten anderen – auch schon eine Prioritätenziffer: 8,227. Die Experten aus Dellwig rechnen dementsprechend mit einem Planungsbeginn in etwa fünf Jahren.
Die Bürgerinitiative hat in Horst 385 und in Karnap 700 Unterschriften von Unterstützern gesammelt. Wie zu hören war, wollen sich die Siedler aus dem Bereich Asternwinkel nicht an der Unterschriftensammlung beteiligen, da sie mit vorangegangen Aktivitäten schlechte Erfahrungen gemacht haben. In Karnap liegen die Listen an folgenden Stellen aus: Massage Weiner, Dr. Wollschowitz, Gaststätte "Alt Karnap", Gaststätte "Bürgerhof", Gaststätte "Jägerhof", Trink & Spar, Hattramstraße, Dr. Rust und bei Gatenbröcker.
An der Versammlung in Karnap nahmen neben anderen Horstern auch Bezirksvorsteher Joachim Gill (SPD) und der CDU-Fraktionsvorsitzende Norbert Quick teil.