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Aktueller Monat: Mai 2012


MiR

Frenetisch gefeierte Sänger bei der Premiere von Donizettis „L’assedio di Calais”

Echte Opernfreunde lassen sich selbst zur Hochzeit des Karnevals nicht davon abhalten, in ihr Theater zu gehen, besonders dann nicht, wenn Belcanto angesagt ist. So auch am Sonntag zur Premiere von Gaetano Donizettis wenig bekannter Oper „L’assedio di Calais” in deutscher Erstaufführung.

Dieses Genre erfreut sich am MiR wachsender Beliebtheit, hat sich doch inzwischen herumgesprochen, dass bei diesen konzertant aufgeführten Gala -Abenden höchste Qualität geboten wird, besonders was die Leistungen der Sänger anbetrifft.

Belcanto-GalaZu sehen sind von links: Richetta Manager (Isabella), Claudia Braun (Eleonora), Bernhard Stengel (Musikalische Leitung), Anna Agathonos (Aurelio), Christian Helmer (Eustachio de Saint Pierre), Melih Tepretmez (Edoardo III.).

Und wie sie dafür sorgten! Das heiß erhoffte „Fest der schönen Stimmen” fand bei nicht enden wollendem Jubel dann auch wirklich statt! Großes Verdienst der drei Protagonisten Anna Agathonos als Aurelio, Claudia Braun als Eleonora und Christian Helmer, der den Eustachio, den Bürgermeister von Calais, gab. Gesungen wurde natürlich italienisch.
Der geschichtliche Hintergrund dürfte weniger interessiert haben. Wenn doch, konnte man sich durch Übertitel in deutscher Sprache über die Handlung informieren: Das Dramma lirico schildert die dramatischen Umstände von der Rettung der Stadt Calais während des Hundertjährigen Krieges. Sechs Bürger der belagerten Stadt Calais liefern sich freiwillig den Engländern aus, um ihre Stadt vor dem Untergang zu retten.
Bei der Uraufführung 1836 in Neapel zunächst ein umjubelter Erfolg konnte sich die Oper - auf halbem Weg zwischen italienischer „opera seria” und französischer „grand opera” – in Paris, damals Weltmetropole der Oper, nicht durchsetzen. Vielleicht deshalb, weil Donizetti, an die Tradition der Kastraten anküpfend, die männliche Partie des Aurelio – wie in der italienischen Oper allgemein üblich - als so genannten „musico” anlegte, als eine von einem Mezzosopran zu singende Partie.
Für Anna Agathonos, Mezzosopran am MiR, hier besonders mit dramatischen Rollen besetzt, eine willkommene Gelegenheit, die reiche Vielfalt ihrer Stimme voll entfalten zu können. Das gelang ihr, besonders in dem vom Beifall umrauschten Duett mit Claudia Braun, ausnahmslos gut. Sie versteht es, ihre Raum füllende Stimme, dramatische Akzente setzend, aufleuchten zu lassen. Ihre Stimme zurücknehmend, kommt sie immer noch leicht über das Orchester hinweg. Insgesamt eine starke Leistung.
Nach Babypause endlich wieder Claudia Braun. Im Zusammenklang mit der Agathonos herausragend! An Arien hat die Oper, vom Komponisten so gewollt, wenig zu bieten, dafür umso mehr an anspruchsvollen Ensembleszenen (Duette, Quartette, Sextette, Ensemble mit Chor und Chorsoli!). Und die meistern die beiden, gemeinsam mit dem smarten Bassbariton Christian Helmer, mit virtuoser Leichtigkeit. Claudia Brauns schlank und warm geführter Sopran kann bis in extreme Höhen klangschön gefallen.
Eingerahmt von den beiden Frauen Christian Helmer. Er hat als Gast in kürzester Zeit in Gelsenkirchen viele Freunde gewonnen. Er verfügt über eine wohlklingende, edel geführte Stimme von raumgreifendem Volumen. In der anspruchsvollen Rolle des Eustachio weiß er gerade auch in dramatischen Passagen voll zu überzeugen. Man würde ihn hier gerne einmal in einer mehr lyrischen Partie hören!
Und noch einer, der leider - wie so viele andere Künstler auch - am Ende der Spielzeit Gelsenkirchen verlassen wird, ließ aufhorchen, Bariton Melih Tepretmez. In der nur kleinen, aber umso bemerkenswerteren Rolle des Edoardo hatte er seinen bejubelten Auftritt. Bei vorsichtiger Führung wächst hier eine Karrierestimme heran.
Beherzt und handwerklich solide die musikalische Leitung von Kapellmeister Bernhard Stengel. Er ist der werkgetreue Begleiter, der seine Musiker und Sänger zu führen versteht. Mit den Neuen Philharmonikern sorgte er weitgehend für sauber aufeinander abgestimmte Ensembles, unter seiner Leitung konnten Christian Jeubs Männerchöre (!) stimmgewaltig aufblühen.
Weitere Solisten wie Richetta Manager, William Saetre, Sung – Kwang Park, Jerzy Kwika, Wolf – Rüdiger Klimm, Georg Hansen und Jee –Hyun Kim rundeten ensembledienlich die Qualität einer insgesamt überzeugenden Belcanto–Gala ab. Beim französischen Gala–Dinner konnte man anschließend gemeinsam mit den Künstlern den Erfolg feiern.

Für alle, die bisher die Gala verpasst haben oder sie noch einmal erleben möchten: Eine Wiederholung gibt es am Sonntag, dem 10. Februar, ebenfalls um 18.00 Uhr, diesmal aber ohne Dinner!

hjk
Foto: Verena Kogler


Karten+Infos: Tel. (0209) 4097-200