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Mit La Bohème „fesseln, überraschen, rühren”
Am 10. November, 19.30 Uhr ist es so weit: Dann steigt im Großen Haus die Neuinszenierung von Giacomo Puccinis wohl beliebtester Oper. Regie führt Michael Schulz, der designierte Nachfolger von Intendant Peter Theiler. Am Pult der Neuen Philharmonie Westfalen steht unser neuer GMD Heiko M. Förster. Mit dem Bühnenbild ist Kathrin – Susann Brose betraut, Kostümbildner ist Klaus Bruns, Wiebke Hetmanek betreut dramaturgisch die neue Produktion.
Was macht gerade diese Oper so überaus reizvoll und populär? Es ist ihre verschwenderische Melodienvielfalt, auch wenn die Kritik Puccinis Musik gerne als allzu rührselig in die Kitschecke gestellt wissen will. Da ist Förster ganz anderer Meinung. Als jemand, der an verschiedenen Opernhäusern schon einige Male die Bohème erarbeitet und dirigiert hat, schätzt er trotz ihrer Gefühlsexzentrik „die Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit“ dieser Musik, fern von bloßer Effekthascherei. Beim Lesen der Partitur stoße er immer wieder auf Neues und sei überrascht von Puccinis genialen Akkordverbindungen oder der geradezu als logisch zu bezeichnenden Motivkombinationen, um beispielhaft nur einiges zu nennen.
Wer den Inszenierungsstil von Michael Schulz kennt, darf nicht erwarten, dass er lieb gewonnene Vorstellungen von Künstlertum aus der Bohèmewelt wieder aufleben lassen wird. Jenseits von Konventionen sieht er das befreundete Quartett Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline – vergleichbar mit der Hippiebewegung - als Aussteiger aus einer genormten Gesellschaft, die sie für sich ablehnen. Die Einzige, die sich dem wirklichen Leben stellt, ist Mimi. Für Schulz gibt es in L. H. Murgers literarischen Vorlage („La Vie de Bohéme”) genügend Hinweise dafür, dass für die jungen Leute die Welt der Bohème nur „ein Ausleben einer neuen Lebensform“ bedeutet. „Man gibt sich nur den Anschein von Künstlertum. Wenn man die neue Form ausgelebt hat, kann man ins normale Leben zurückkehren“, so Schulz. Man darf gespannt sein, wie er diesen Zugang für die Bühne umsetzen wird.
Bis auf den gastierenden Fulvio Oberto als Rodolfo geben alle Sänger mit der Bohème ihr Rollendebut. In der Rolle der Mimi werden wir (alternierend mit Regine Hermann) Hrachuhi Bassénz erleben, Leah Gordon als Musetta und Melih Tepretmez als Marcello. Christian Helmer als Gast singt den Schaunard, Nikolai Karnolsky gibt den Colline. In kleineren Rollen werden wir Sergey Fomenko, Jerzy Kwika und Georg Hansen sehen. In den großen Ensembleszenen singen und spielen Berufs – und Extrachor sowie der Kinderchor der Städtischen Musikschule.
hjk
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