Ruhrwirtschaft weiter auf Wachstumskurs
Konjunktur und sprudelnde Steuerquellen eröffnen noch Reformoptionen
Die optimistischen Aussichten vom Jahresbeginn haben sich damit vollauf bestätigt: Der konjunkturelle Aufschwung erfasst inzwischen alle großen Wirtschaftsbereiche. Die gute Lage beflügelt die Erwartungen der Unternehmen auch für die nähere Zukunft. Die absehbaren Mehrbelastungen aus der Politik könnten allerdings im nächsten Jahr in Teilbereichen Bremsspuren hinterlassen.
Dies ist das Fazit der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet nach Auswertung ihrer aktuellen Konjunkturumfrage "Herbst 2006". An der Befragung waren wieder 1.100 Unternehmen mit zusammen 215.000 Arbeitsplätzen beteiligt.
Für Hermann Grewer, Vizepräsident und Vorsitzender der Vestischen Gruppe der IHK Nord Westfalen in Gelsenkirchen, eröffnen sich mit der guten Konjunktur und derzeit sprudelnden Steuerquellen politische Handlungsspielräume, die es zu nutzen gilt: "Es geht um die Stabilisierung des Wachstumstrends und um eine Stärkung des Vertrauens der Wirtschaft in die Reformfähigkeit der Politik".
In diesem Zusammenhang hält Grewer die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung für gefährlich. Sie stünde dem dringend benötigten Wachstum der Inlandskonjunktur im Wege.

Darüber hinaus bleibt die Mehrwertsteuererhöhung laut Grewer haushaltspolitisch unnötig und vom Konsolidierungsansatz her grundlegend falsch, da die Steuerquellen derzeit Rekord verdächtig sprudelten und das Defizit im Bundeshaushalt vor allem von der Ausgabenseite her angegangen werden müsste.
Besonders ging Grewer auf den aktuellen Lehrstellenmarkt ein: "Die Situation hier will und werde ich nicht schön reden. Allerdings überzeichnen die aktuell verkündeten Zahlen der Arbeitsagenturen eindeutig die Angespanntheit der Lage.“ Tatsächlich, so Grewer, habe man die Zahl der Ausbildungsplätze im Gegensatz zum Vorjahr sogar nochmals um 6,2 Prozent steigern können.
Karl-F. Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, kommentierte das Umfrageergebnis darüber hinaus: "Der IHK-Konjunkturklimaindex ist nochmals auf jetzt 117 Punkte gestiegen. Ähnlich gute Werte wurden zuletzt vor rund 15 Jahren beobachtet“.
Die Geschäftslage beurteilen jetzt 35 Prozent der Unternehmen mit "gut", ein erneuter kräftiger Anstieg um sieben Punkte im Vergleich zur letzten Umfrage am Jahresbeginn 2006. Zugleich ist der Anteil derjenigen, die ihre Situation mit "schlecht" einstuften, auf 13 Prozent gesunken. Mehrheitlich erwarten die Unternehmen einen anhaltenden Aufwärtstrend.