Ballettschule im Kirchraum?
Einigen Mitgliedern der Evangelischen Kirchengemeinde Horst geht die Schließung des Jakobuszentrums in Horst-Süd auch im zweiten Jahr danach noch so nahe, dass sie am Informationsabend über die Nutzungsmöglichkeiten am 11. Juni im Paul-Gerhardt-Haus nicht teilnahmen.
Sie hätten hören können, mit welchen Schwierigkeiten ein solches Vorhaben verbunden ist – aber auch, dass es Lichtblicke gibt.
Als das Jakobszentrum im Jahre 1963 gebaut wurde, gehörten der Gemeinde 14.500 Mitglieder an. Heute sind es gerade mal noch 5.992 (2006). Und: „schlimmstenfalls müssen wir noch damit rechnen, ein weiteres Drittel der heutigen Gemeindemitglieder zu verlieren“, erklärte Pfarrer Michael Grimm. Die Gemeinde baute Pfarrstellen ab, schloss das Matthias-Claudius-Haus (2000/01), das Jugendheim und dann auch das Jakobszentrum.
Jetzt geht es darum, den Gebäudekomplex vor dem Abriss zu retten – denn auch der könnte drohen.
Das Jakobszentrum gehört mit 13 anderen entwidmeten Kirchengebäuden zu dem vom Land NRW geförderten Modellvorhaben Kirchenumnutzung. Doch hier in Horst sind die Gegebenheiten schwierig. Der Instandsetzungs- und Modernisierungsbedarf ist trotz ständiger Pflege nicht unerheblich, muss bei einer Nutzungsänderung doch allen heute gültigen Rechtsvorschriften genüge getan werden. Zu erwähnen sind dabei beispielsweise umfassende Wärmedämmmaßnahmen inklusive neuer Fenster.
Außerdem liegt die Kirche in einem Wohngebiet, was die Nutzung beispielsweise als Gastronomiebetrieb oder für bestimmte Handwerker weiterhin erschwert.
Wie Hartmut Welters vom Büro Post & Welters erklärte, scheide auch eine öffentliche Nutzungen mangels Bedarf aus.
Der damalig ausführende Architekt Ernst-Otto Glasmeier: „Wir alle müssen viel überlegen und für alles offen sein. Dann ist vieles möglich“. Er beklagte den „sozialistischen Wohnungsbau“ im Umfeld. Dieses habe schon Interessenten abgeschreckt.
Gespräche gab es mit einem Orgelbauer, mit interessierten Pflegediensten (die dort Wohngruppen einrichten könnten) und anderen möglichen Investoren. Konkretes hat sich daraus nicht ergeben.
Aufhorchen ließ ein Gast, der daran interessiert ist, den Kirchraum zu nutzen. Für eine Ballettschule. Die ehemaligen Wohnungen von Pfarrer und Küster sowie der Gemeindesaal könnten separat vermarktet werden. Gut vorstellen könne man sich, so war zu hören, auch die Nutzung als private Einrichtung für die berufliche Weiterbildung und Qualifizierung.

Architekt Ernst-Otto Glasmeier (links an der Reihe am Fenster) spricht bei der Veranstaltung im Paul-Gerhardt-Haus.