Saisoneröffnung mit Rossini
Heute um 19.30 im Großen Haus, ist es so weit. Das Musiktheater startet mit Gioacchino Rossinis komischer Oper “Le Comte Ory” in die neue Spielzeit.
Bei der Uraufführung der komischen Oper 1828 ein überwältigender Erfolg, heute nur noch selten gespielt. Zu Unrecht, denn diese Oper ist ein komischer Genuss, „ein in jedem Detail geschliffenes Meisterstück”, wie Johann C. Eule, für die Dramaturgie verantwortlich; genüsslich ausführte. Vom Inhalt her geht es eigentlich immer wieder um das Eine: Der als Schwerenöter berüchtigte Comte Ory sucht erotische Befriedigung bei einsamen Frauen. Die Gelegenheit ist günstig, weil alle wehrhaften Männer wegen eines Kreuzzugs außer Landes sind. Besonders abgesehen hat er es auf die Comtesse Adèle, die jedoch all seinen Verführungskünsten widersteht. Sie ist ihrem Keuschheitsgelübde entsagend in einen Pagen verliebt. Anders als in der traditionellen opera buffa haben wir es in „Le Comte Ory” mit einer ständig im Erotischen kreisenden Lust ohne Erfüllung zu tun. Wir begegnen der ganzen Bandbreite des sexuellen Begehrens, das mit den Mitteln der Verkleidung und der Aufhebung moralischer Regeln einhergeht, aber nie zum Ziel führt.
(v. l.) A. Meyer, J.C. Eule, C.S. Osthoff, A. Baesler, H.Thor
Andreas Baesler, Spezialist für Rossini-Opern - nicht nur am MiR -, will mit seinen Sängerschauspielern ein „saftiges Stück Theater” auf die Bühne bringen; „ein Theater seiner selbst willen”, in dem der Spaß am Komödiantischen Vorrang hat. Verlegt hat er das Geschehen in die Fünfziger Jahre.
Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Cosima S. Osthoff. Spaß will auch sie haben. Lassen doch die bei Rossini in Kadenzen sich bietenden „offenen Stellen” sich wunderbar ins Szenische einbinden. Zwar begegnet man im „Comte Ory” etwa zur Hälfte Musik aus seiner Oper „Il viaggio à Reims”, die aber modifiziert und um neue kompositorische Formen bereichert zu einem neuen, eigenständigen Werk führt. Das Gelsenkirchener Publikum wird also gerne Teile aus „Il viaggio”, erst kürzlich am MiR gespielt, noch einmal erleben können.
Die Hauptrollen sind mit Christopher Lincoln als Graf Ory, Lea Gordon (Adèle) und Anke Sieloff (Page Isolier) besetzt. Außerdem singen und spielen Jordanka Milkowa, Noriko Ogawa - Yatake, Artavazd Zakaryan, Joachim G. Maas und Melih Tepretmez.
Harald Thor, in Gelsenkirchen zuletzt mit der Bühnenausstattung von „Silk Stockings” gefeiert, will von einem realen zu einem surrealen Raum führen, bei den Kostümen Andreas Meyers wird es ein Wiedersehen mit typischer Kleidung aus der Mitte unseres Jahrhunderts geben.
jhk
Premiere:
08.09.2007 um 19.30 Uhr
Weitere Aufführungen:
13.09./ 20.09/ 22.09./ 28.09./ 20.10. jeweils um 19.30 Uhr
07.10. um 15.00 Uhr
28.10/ 04.11.(zu letzt. Mal) um 18.00 Uhr
Tickets:
Tel. 0209 - 4097 - 200