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Aktueller Monat: Mai 2012


MiR: Die theaterlose „schreckliche” Zeit ist vorbei!

Gelungener Auftakt mit „Gelsenkirchen macht blau”

Mehr als tausend alte und neue - auffallend viele junge - Theaterfreunde hatten am Samstagnachmittag auf dem Kennedyplatz ihr Open–Air-Festival. Und das trotz der Love Parade!

Selten waren so viele Schaulustige auf einer Eröffnungsveranstaltung gesehen worden wie in diesem Jahr. Sie werden es nicht bereut haben, denn „Gelsenkirchen macht blau” bot einen bunten Reigen beliebter Darbietungen aus der Welt der Musik, von der Oper bis zum Musical, ein Mix aus Tanz, Schauspiel, Gesang und Showeinlagen, ein illustres, anspruchvolles Programm, in dem man seine Lieblinge zum Anfassen nah erleben konnte. „Gelsenkirchen macht blau”, auf die Symbolik der Farbe Blau für die Stadt Gelsenkirchen – blau die berühmten Schwämme Yves Kleins im Theaterfoyer, königsblau die Farbe eines gewissen berühmten Gelsenkirchener Fußballvereins - spielte auch Oberbürgermeister Frank Baranowski in seiner Eröffnungsrede genüsslich an.Gelsenkirchen macht blau-1
Diese Veranstaltung hat in Gelsenkirchen bereits Tradition und ist beste Werbung für unser Theater, das erst kürzlich als zweitbestes Musiktheater in NRW ausgezeichnet wurde.
„Blau machen“ wollten und konnten unsere Künstler nun wahrlich nicht. Unter der Regie von Moderatorin Wiebke Hetmanek spulten sie ein Non-Stop–Programm herunter, wobei für jeden Besucher, ob jung oder alt, etwas dabei war.
Kaum möglich aus der Fülle der Darbietungen und Programm begleitenden Aktionen alle zu würdigen. Gelsenkirchen macht blau-2Hier können stellvertretend nur einige „Renner” genannt werden: Das „Solo für Drei”, MiR-Solisten stellten sich vor. Oder den famosen Ausflug von Mitgliedern der Neuen Philharmonie in die Welt der Percussions oder die Performance des Ballett Schindowski mit Auszügen aus der so erfolgreichen Produktion „Showtime”, dann der Opernchor unter seinem neuen Leiter Christian Jeub. Ullrich Penquitt und Maggie Koreen bewiesen, dass in der Gelsenkirchener Kulturszene das Musiktheater nicht alles ist, indem sie ihren Verein „Kultur leben” hochleben ließen. Kenner der Szene wagten sich auch in das Innere des MiR. „Ante cinque portas” ist so etwas wie der Geheimtipp für die neugierige Besucher. Hinter fünf Türen gab es Überraschungen. Als Gast wurde man in bekannte Szenen aus MiR-Produktionen einbezogen. Gespannt folgte man - besonders unsere Konzertfreunde – der Vorstellung des neuen Generalmusikdirektors Heiko M. Förster, die ihm schon viel Sympathie einbrachte. Seine Arbeit mit der Neuen Philharmonie lässt hoffen.
Rund um das Bühnenprogramm konnten sich die Gäste an verschiedensten Mitmachaktionen erfreuen. Lobenswert dabei auch das reichhaltige Angebot für Kinder, die zur Freude ihrer Eltern gut betreut wurden. Verkleiden, Schminken und Theaterspielen kam bei den Kleinen gut an. Am spektakulärsten war wohl die Möglichkeit, sich in dem aus der Carmen–Inszenierung bekannten Cadillac kostenlos fotografieren zu lassen. Übrigens soll der Oldtimer gegen Höchstgebot zu ersteigern sein! Ein netter Gag der MiR–Dramaturgie? Nicht zu vergessen die so beliebte Kostüm– und Requisitenversteigerung. So manches tolle „Schätzchen” ging auch diesmal - in neuem Glanz erstrahlend - für seinen zukünftigen Besitzer über die Rampe. Ach ja, da war dann noch die grandiose Belcanto-Rock-Abschlussveranstaltung, wegen der so mancher Musikliebhaber extra gekommen war. Leah Gordon, Birgit Brusselmans, Anke Sieloff, Joachim G. Maaß, Charles Moulton, Christoph Kreutzer legten unter der bewährten Leitung von Kai Tietje ein eindrucksvolles Zeugnis ihrer Vielseitigkeit ab. Das gilt auch für die Neuen in unserem Ensemble: Jordanka Milkova und Christin Helmer demonstrierten eindeutig, dass sie ein Gewinn für unser Theater sein werden.
„Gelsenkirchen macht blau” hat zu Anfang der neuen Saison wieder einmal bewiesen, wie „verwachsen” Gelsenkirchens Bürger mit ihrem Theater sind. Das MiR wird sicherlich neue Freunde dazu gewonnen haben.
Ein Hauch von Wehmut lag über der Gala zur Saisoneröffnung der Spielzeit 2007/08, wusste man doch, dass diese die letzte der Ära Peter Theiler sein würde. An diesem Abend führte der beliebte Intendant gemeinsam mit Chefkapellmeister Samuel Bächli wie gewohnt humorvoll durch ein Programm, das Appetit machen sollte auf die kommenden Produktionen am MiR. Vom Schweren zum Leichten. Zu Beginn der dramatische Eingangschor aus Verdis „Otello“, gleich eine Bewährungsprobe für den neuen Chordirektor Christian Jeub. Und wie die bestanden wurde! Von der Desdemona der Noriko Ogawa-Yatake hätte man gerne mehr gehört, z.B. vor ihrem „Ave Maria” den Schluss der Szene mit Emilia. Jee–Hyon Kim gab einen glaubhaft finsteren Jago, nur schade, dass die Partie des Otello noch nicht besetzt werden konnte. Weiter in dem ehrgeizigen Programm ging es zu den Anfängen der Oper überhaupt, zu Monteverdis „Die Krönung der Poppea”, bei Anke Sieloff und Christin Helmer bestens aufgehoben. Bemerkenswert, dass Samuel Bächli teilweise eine „moderne” Instrumentierung wählte, abweichend vom Original, wie zum Beispiel mit Klarinette und Akkordeon. Samuel Bächli leistete sich dann einen seiner Lieblingskomponisten. Unter seiner Stabführung erklang der bekannte ungarische Marsch aus Berlioz’ „Fausts Verdammnis”.
Davor hatten Nadine Trefzer und Melih Trepetmez mit einer Arie aus Donizettis „L’assedio di Calais” brilliert. Anschließend konnte man mit der Arie der Eboli aus Verdis „Don Carlos” das ausdrucksstarke Debut der neuverpflichteten Jordanka Milkowa bejubeln. Sie ist ein voll tönender Mezzosopran mit begeisternder Strahlkraft, an dem wir noch viel Freude haben werden. Immer mehr wird Leah Gordon zum Publikumsliebling. Aus der Oper „Le Comte Ory”, mit der die Spielzeit am 8. September eröffnet wird, ersang sie sich mit artistischem Koloratursopran die Herzen ihres Publikums.
Gelsenkirchen macht blau-3Nach einer Pause zeigte das Ballett Schindowski zwei Ausschnitte seines Schaffens: In einer Rückschau auf die vergangene Saison konnte man noch einmal eine Tanzszene aus der gefeierten Produktion „Showtime” erleben. Vorausschauend auf das nächste Ballett am MiR wurde eine Szene aus „Die Geschöpfe des Prometheus” - original nach der Beethovenschen Musik - demonstriert. Applaus für Bernd Schindowski! Für 30 Jahre großes Ballett am Gelsenkirchener Theater wurde er mit einem großen Blumenstrauß geehrt, wie auch sein Tänzer und Assistent Ruben Reis sowie Franziska Hackel aus dem Opernchor für 25jährige Zugehörigkeit zum Gelsenkirchener Theater.

Dann kam man zum eigentlichen Höhepunkt des Abends, zur Verleihung der Theaterpreise für hervorragende Leistungen in der Spielzeit 2006/07, gestiftet von der Sparkasse. Herr Bernhard Lukas vom Sparkassenvorstand hielt die Laudatio für die Gewinner Bettina Lell und Günter Papendell. Der Bariton Günter Papendell erhielt die Auszeichnung für überragende sängerische und darstellerische Leistungen, so z. B. für die Titelpartie in Mozarts „Don Giovanni”. Für viele unerwartet kam der Theaterpreis für eine Künstlerin, die sich seit Jahren um das junge Theater mit Aufsehen erregenden Regiearbeiten verdient gemacht hat: Bettina Lell. Ihr letzter großer Erfolg in der abgelaufenen Spielzeit war „Kaimakan und Pappatatschi oder Piraten fluchen nicht”, eine Oper für Kinder nach Gioacchino Rossini. Der scheidende Chordirektor Nandor Ronay bekam den Ehrenpreis für 23 Jahre hingebungsvolle Arbeit mit dem Berufs– und Extrachor. Bei „seinen” Choristen bedankte er sich sichtlich gerührt für die lange, gute gemeinsame Zusammenarbeit.
Weiter im Programm und demnächst am MiR Szenen aus Puccinis „La Bohème”, gesungen von Hrachuhi Bassenz und Nicolai Karnolski. Die Liebhaber des Belcanto dürfen sich jetzt schon auf die Mimi der Bassenz mit einer hinreißend schönen Stimme freuen. Im Spielplan der neuen Saison finden wir auch Meyerbeers selten gespielte Oper „Die Afrikanerin”. Christopher Lincoln, strahlend tenoral, sang daraus die Arie „O paradis”, die den Opernfreunden wohl am bekanntesten ist. Zum Abschluss kam dann noch Leichteres zu seinem Recht. Anke Sieloff, Joachim G. Maaß und Chor, beschwingt geführt von Kai Tietje, servierten Songs aus Gershwins Musical „Strike up the band”, das ebenfalls in der anlaufenden Saison zu sehen sein wird.
Großer Dank gilt einer Neuen Philharmonie in Hochform, abwechselnd geleitet von Samuel Bächli, Bernhard Stengel und Askan Geisler. Erstmals stand auch unser neuer GMD Heiko M. Förster am Pult. Er wird „La Bohème” dirigieren.
Ein großer Galaabend ging zu Ende, zu Beginn einer Spielzeit, die eine der Besten werden könnte, für die der Name Peter Theiler steht.

H. J. Koch