FAMILIENPOST
ONLINE

Aktueller Monat: Mai 2012


MiR

Ballett Schindowski lässt die Puppen tanzen

Peter I. Tschaikowskis berühmte Ballettsuite „Der Nussknacker“ nur zur Weihnachtszeit? Gelsenkirchens Ballettchef Bernd Schindowski lässt das so nicht gelten und beweist bei der Premiere am Sonntag, umjubelt und gefeiert, das Gegenteil.

Ihn interessieren weniger Weihnachtsmarkt, Festvorbereitungen und Bescherung, also das ganze weihnachtliche Drumherum, sondern ihn reizt es, mit tänzerischen Mitteln den phantastischen Kern der Geschichte darzustellen. Die Kinder sollen über das Erlebnis Tanz die Dimension des Märchenhaften spüren und erleben. Und das gelingt ihm, ideenreich unterstützt von seinem Assistenten Rubens Reis, in jeder Phase seiner Choreografie wohltuend lebendig.
Was das Kreativtrio Bernd Schindowski, Manfred Dorra (Bühnenbild) und Andreas Meyer (Kostüme) am Sonntag mit der glänzend aufgelegten Compagnie auf die Bühne des fast ausverkauften Kleinen Hauses zauberte, war ein wahres Fest, eine Performance in Galaformat.
Auf höchstem tänzerischen Niveau, gerade auch in Mimik und Gestik bis in kleinste Nuancen ausgefeilt, war das für die kleinen und „großen” Kinder ein toller Spaß. Kindgerecht, aber nie kindisch wird der versteckte Witz der Geschichte mit spielerischen Mitteln aufgedeckt, so dass Langeweile erst gar nicht aufkommen kann. Schindowski hebt den Nummerncharakter der Ballettsuite so weit wie möglich auf und sorgt so fast übergangslos für den durchgehenden „Fluss” der Handlung. Wenn da nicht die spontanen Beifallskundgebungen während der Szenen für nicht gewollte, für die Tänzer aber beglückende Unterbrechungen gesorgt hätten!

Die Geschichte erzählt sich klar und unmissverständlich über die Bewegungsabläufe, einer im Programmblatt veröffentlichten Inhaltsangabe hätte es also gar nicht bedurft: Die Kinder Klara und Fritz, in ihrer Andersartigkeit treffend charakterisiert und mit Leichtigkeit getanzt von Priscilla Fiuza und Takashi Kondo, bekommen von ihrem Onkel Puppen geschenkt, eben auch einen Nussknacker, das Puppenhafte überzeugend dargestellt von Min–Hung Hsieh. Herrlich komisch die Szene, als der Onkel (Rubens Reis) als Weihnachtsmann entlarvt wird. In der Nacht kann Klara nicht richtig schlafen, im Traum werden die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum lebendig. Das Aufleben der Puppen, eine dankbare Aufgabe, der sich Stephanie Blasius, Ai Boshiyama und Yun Liao gekonnt stellen. Eine Horde von Mäusen (bedrohlich düstere Ensembleszene!) unter Führung des Rattenkönigs greift den Nussknacker an. Klara greift beherzt ein und kann ihn retten. Als Dank nimmt sie der Nussknacker mit auf eine wundersame Reise.

Balettszene Nussknacker
Sie wandern durch den Weihnachtswald, Schindowski lässt die Bäume „wandern” und den Schneesturm „tanzen”. Grandiose Ensembles mit Alina Köppen als Schneekönigin und putzig wiederum Rubens Reis als Schneemann. Dann ist das Zauberreich der Zuckerfee, nahezu „klassisch” überzeugend Yasuko Mogi, erreicht. Im Reich der Zuckerfee wird zu Ehren von Klara ein riesiges Fest gefeiert, und der Nussknacker verwandelt sich in einen schönen Prinzen.
Nicht nur für die Tänzer – für die gesamte Compagnie in ihrer Geschlossenheit ein dickes Lob! - Gelegenheit genug, in buntem Reigen eine Überraschung nach der anderen zu präsentieren. Hier werden dem Einfallsreichtum von Choreografie, von Bühnen- und Kostümbildner keine Grenzen gesetzt. Manfred Dorra vielseitig mit beweglichen Dekorationen arbeitend, Andreas Meyer nutzt die Chance, überaus farbenreiche Kostüme und Arrangements in leicht nostalgischem Stil zu kreieren. Eine Augenweide!

Mit nicht enden wollendem Beifall zeigten sich die Premierengäste dankbar für fast eineinhalb Stunden schönster Bereicherung durch große Tanzkunst.

hjk

Karten+Info: (0209) 40 97 200

Weitere Aufführungen:
12./ 13./ 14./ 17. Februar
09. März
6./ 7./ 8./ 14./ 15./ 16./ 17. Mai