FAMILIENPOST
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Aktueller Monat: Mai 2012


Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen:

Musiktherapie: Sprachlosigkeit überwinden

„Wir sitzen hier zusammen, ja das sind wir. Schauen wir uns mal um, wer ist denn hier?” Mit einem Begrüßungslied weckt Christina Hantel die Aufmerksamkeit der Kinder. Mit ihrer hellen Stimme schafft sie einen ersten Kontakt.

Die vierjährige Nina während einer TherapiestundeDie vierjährige Nina während einer Therapiestunde

Nina ist vier Jahre alt, Mike ist ein Jahr jünger. Beiden Kindern fällt es schwer, sich zu konzentrieren oder einen Blickkontakt aufzubauen. Ihre sprachlichen Möglichkeiten sind begrenzt: Sie artikulieren Laute und nur wenige Worte. In der Musiktherapie entdecken sie die Musik als ein Medium, das einen Dialog ermöglicht. „Musik hilft bei Störungen in der Sprachentwicklung eines Kindes, da sie als Medium einen besonderen Zugang zum Kind ermöglicht. Das aktive Musizieren gibt dem Kind die Chance, seine Stimmungen auszudrücken und ohne Sprache zu kommunizieren. Sie erleben sich selbst als aktive Dialogpartner”, sagt die angehende Diplom-Rehabilitationspädagogin. Sie leitet seit einigen Monaten in Kleingruppen für Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren das musiktherapeutische Förderangebot im Sozialpädiatrischen Zentrum der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen.

Kleininstrumente wie Rasseln, Glockenbänder, Klanghölzer und -stäbe, aber auch Becken, Triangel, Bongos kommen zum Einsatz, und immer ist aktives Improvisieren gefragt. „Kommunikation kennt viele Spielarten. Sprache ist nur eine Form von Kommunikation. Die Musik ist eine andere Art von Sprache”, erklärt Christina Hantel. Nina und Mike sind neugierig auf die verschiedenen Instrumente, sie ertasten ihre Form und lauschen den Klängen und Geräuschen, die sie produzieren. Die Therapeutin reagiert darauf, indem sie die Töne, Rhythmen und Klänge aufgreift, sie wiederholt, variiert und weiterentwickelt. „Es entsteht so mit der Zeit ein Dialog, der die individuellen Ressourcen des Kindes fördert. Sie fühlen sich verstanden, was ihr Selbstwertgefühl stärkt”, so Christina Hantel.

Hintergrund:

Kinder, deren Entwicklung verzögert ist oder die von Behinderung bedroht sind, werden im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen von einem multi-professionellem Team - meist über viele Jahre - betreut. Ebenso werden epilepsiekranke Kinder behan-delt. Die Familie ist in die Behandlung einbezogen und es wird ein Netz aus medizinischen, pädagogischen und psychosozialen Hilfen geknüpft. Das musiktherapeutische Angebot startete mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins SPZ.