Zum Tode von Walter Alexander
„Die fünfte Jahreszeit, das ist für mich die schönste”, hat er immer gesagt. Fast sechs Jahrzehnte lang war er in seinem Herzen ein Narr im besten Sinne. Am 4. August ist Walter Alexander, Ehrensenator des Festkomitees Gelsenkirchener Karneval im Alter von 94 Jahren gestorben.
Seine „Karnevals-Karriere“ hatte „der Alex”, wie alle ihn immer riefen, in den frühen fünfziger Jahren begonnen, nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, in der er bereits eine Kleinkunstbühne mitgegründet hatte. „Wir wollten einfach nur vergessen, was wir erlebt haben. Karneval war in der Nachkriegszeit eine Art Lebenshilfe, weil wir so lange Zeit nichts mehr zu Lachen gehabt hatten”, erzählte er einmal. Schüttelrutsche Ückendorf, KG Tausendfeuer, Rot Weiß Altstädter Funken, Schalker Funken hießen die Karnevalsgesellschaften, denen er angehörte und die sich oftmals ebenso rasch auflösten, wie sie sich gegründet hatten. Schließlich landete er 1969 bei den Erler Funken, deren Vorsitzender er in den siebziger Jahren wurde.
Im Karneval hat er wohl alles getan, was ein Narr tun kann. Als Stadtprinz mit Rotraud Mach in der Session 1970/71, als Hoppeditz, als Hofmarschall. Im Elferrat. Den Bacchus beerdigte er erstmals 1952 in der Stadt – und dann immer wieder bis in die neunziger Jahre. Und obendrein hat er mehr als 20 Jahre die Plakate für den Rosenmontagszug im gesamten Stadtgebiet verteilt. Als Büttenredner trat er mit seinem Programm sogar in der Dortmunder Westfalenhalle auf – im Karneval sei das einem Schalke-Fan ja doch erlaubt, meinte er. Unter seinen zahlreichen Orden fehlte auch nicht der Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval.
Vielleicht auch, weil er sich so gerne verkleidete und anderen eine Freude schenkte, schlüpfte er übrigens mehr als 50 Jahr lang auch noch in eine andere Rolle: Als Nikolaus eilte er von Haus zu Haus.
In den vergangenen Jahren war es etwas stiller um Walter Alexander geworden. Rumpfbeugen machen und die Beinchen wie ein Funkenmariechen schmeißen – rüstig wie er all die Jahre war –, das konnte er zuletzt zwar nicht mehr. Und dass sein Körper nicht mehr so wollte, wie er so es gerne gehabt hätte, das hat ihn oftmals geärgert. Ein geistreicher Schelm blieb er aber bis zuletzt.
Für Verse wie diese konnte man ihn wecken:
„Sekt, Konfetti, Sündenfall!
Tolle Tage, tolle Nächte
Narren, Weise und Bezechte,
hin und her und rein und raus,
wie in einem Bienenhaus,
aber schaut man näher hin, findet man den tiefren Sinn,
einmal, sei’s auch nur zum Schein, kurze Zeit ein andrer sein.
Und man fragt sich ganz beklommen,
als was soll ich diesmal kommen.”
Boris Spernol