40 Jahre Klinik für Neurochirurgie
Es ist insbesondere die Hirnchirurgie die für viele Menschen die Neurochirurgie zu einer Art „Königsdisziplin” in der Medizin macht.
„Eine Operation am Schädel und dem Gehirn ist immer eine große Herausforderung für den Operateur. Es verlangt Kompetenz und Erfahrung”, so Dr. Uwe Wildförster, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie im Bergmannsheil Buer. Hier wurden vor 40 Jahren die ersten neurochirurgischen Patienten behandelt. Seitdem hat sich diese Spezialklinik enorm entwickelt. Heute umfasst Wildförsters Team acht Ärzte. Rund 1.100 Patienten werden jährlich operiert.
Erkrankungen und Verletzungen des zentralen Nervensystems und die vielfältigen Wirbelsäulenschäden gehören ebenso zum Leistungsspektrum der Neurochirurgie. Bewegliche Bandscheibenprothesen werden im Bergmannsheil erfolgreich implantiert: Sie bieten dem Patienten mehr Lebensqualität durch eine größere Beweglichkeit in der betroffenen Wirbelregion. „Innovationen bei den Materialien der Kunstgelenke gehen mit neuen Operationstechniken Hand in Hand. Mikrochirurgische Techniken, der Einsatz von Operationsmikroskopen sowie der gewebeschonende Zugang mit möglichst kleinen Schnitten sind heute bei uns Standard”, erklärt der Neurochirurg. „Die Grenzen des operativ Machbaren haben sich mit diesen Innovationen immer weiter ausgedehnt.” Diese Entwicklungen in der Neurochirurgie sind maßgeblich von den Neuerungen in der Anästhesie, der Intensivmedizin und der Radiologie beeinflusst worden. In den letzten Jahren werden zudem verstärkt ältere Patienten mit Wirbelsäulenschäden operiert, deren OP-Risiko vor 10 Jahren noch zu groß war. Von der Vertebroplastie, einem Verfahren, bei dem ein zementähnlicher Stoff defekte Wirbelkörper wieder stabilisiert und festigt, profitieren vor allem ältere Osteoporose-Patienten.
Gewebsschonende und minimalisierte OP-Verfahren werden komplettiert durch neue, endoskopische Operationen. Dabei wird zur Behandlung lediglich ein kleiner Hautschnitt unter einem Zentimeter zur Einführung des Endoskops erforderlich: „Wir können heute vielen Patienten größere und damit belastende Operationen durch mikroneurochirurgische Techniken ersparen, ein Trend, der sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen wird.” Daraus folgen weniger Operationsschmerzen, eine rasche Wiederherstellung der Beweglichkeit und Belastbarkeit, sowie eine Verkürzung der stationären Behandlungsdauer.
Dr. Wildförster setzt auf interdisziplinäre Zusammenarbeit, insbesondere mit Neurologen, Neuropädiatern und orthopädischen Chirurgen. Das auch von ihm initiierte „Neuro-Zentrum” in Gelsenkirchen bringt alle Disziplinen an einen Tisch, organisiert fachübergreifende Fortbildungsver-anstaltungen und Symposien. Im Herbst wird die Behandlung des Hirntumors das Thema sein.
Neurochirurgen im Bergmannsheil Buer
Als im April 1967 der erste Neurochirurg seine Arbeit aufnahm, war noch nicht absehbar, welche Entwicklung die Disziplin im Bergmannsheil Buer nehmen würde. Dr. Wilhelm Brüggemann leitete jahrelang als einziger Neurochirurg unter großen persönlichen Einsatz die „Spezialstation für Kopfverletzungen”, die sich schon bald als neurochirurgische Station innerhalb der Chirurgischen Klinik etablierte. Ab 1973 nahm er die Chefarztfunktion bis zu seinem Ausscheiden 1983 wahr. In den sechziger Jahren waren Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen unterversorgt, gab es nur wenige Spezialkliniken für diese Erkrankungen. Der Bedarf an neurochirurgischen Betten im Bergmannsheil stieg stetig von erst fünf, zwölf und 20 Betten bis zu 39 Betten (seit 1988). Nach einer zweijährigen Interimsleitung durch Prof. Dr. Günter Lausberg (gleichzeitig Chefarzt in der Klinik für Neurochirurgie in Bochum-Langendreer), leitete Prof. Peter Christian Potthoff von April 1985 bis Mai 1999 die dann ei-genständige Klinik für Neurochirurgie im Bergmannsheil Buer. Seit 1999 wird die Klinik von Dr. Uwe Wildförster geleitet.