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Aktueller Monat: Mai 2012


MiR

Verdis Meisterwerk Otello nach 20 Jahren wieder auf der Gelsenkirchener Bühne

Am Sonntag, dem 27. Januar 2008 um 18.00 Uhr, ist es endlich so weit. Im Großen Haus ist Premiere von Verdis vielleicht anspruchvollster und für viele Opernliebhaber bester Oper, in Koproduktion mit dem Lübecker Theater und der Opera Ireland in Dublin, wohl der Höhepunkt in der letzten Saison der Ära Theiler!

Verantwortlich für die Inszenieung ist der Schweizer Dieter Kaegi, am Pult der Neuen Philharmonie steht Samuel Bächli, Bühnenbild und Kostüme sind von Stefanie Pasterkamp.
Wieder einmal – wie letztes Jahr bei Berlioz’ großartiger Verwirklichung von „Les Troyens” - sind die Gelsenkirchener in allen Belangen bis auf das Äußerste gefordert. Im Mittelpunkt der Handlung, der eines der bekanntesten Dramen von Shakespeare zugrunde liegt, steht das teuflische Intrigenspiel von Otellos Gegenspieler Jago. Einmal in Gang gesetzt nimmt die Tragödie ihren Lauf. Otello, wie wahnsinnig von blinder Eifersucht getrieben, erdrosselt seine in naiver Arglosigkeit verharrende Gemahlin Desdemona. Zu spät, nachdem er ihre Unschuld erkannt hat, sieht er seinen Irrtum ein und richtet sich selber. Auch die Randpersonen, die Jago für seinen intriganten Plan benutzt, scheitern. Nur Jago, die Personifizierung des Bösen, entkommt.

VOtello-ChearleaderPromotion für die Boxarena: Otellos "Cheerleader", hier mit D. Kaegli (l.) und S. Baechli (r.)

So weit der weitgehend bekannte Plot des Dramas. Dieter Kaegi, Regisseur der Koproduktion, hat sich einen überraschenden Zugang zum 1. Akt des Melodrams einfallen lassen. Vergeblich wird man bei stürmischer See die Rückkehr Otellos auf Zypern erwarten, Kaegi erfindet den 1. Akt völlig neu.
Er verlegt das Eingangsbild - als Metapher für die folgenden tödlichen Auseinandersetzungen - in eine Boxarena, für Kaegi ein Bezug zu dem mörderischen Ausgang der Tragödie. Statt der großen Strandszene, wo der Chor das in Seenot geratene Schiff Otellos zurückerwartet, schweben ihm Bilder vor von Leuten, die einen Kampf beschreiben, die Vision von einem großen Sportevent. Inspiriert durch Verdis kampfbetonte Musik „passiert“ für Kaegi im Eingangsbild statt des Kampfes der tosenden Elemente „der Kampf zweier Gegner, die aufeinander losgehen“, wobei die Zuschauer (Chor!) wie bei einer großen Boxveranstaltung, ihre hitzigen Kommentare abgebend, mitfiebern. „So kann der Text seine konkrete Entsprechung finden, und man kann auf der Bühne sehen, was passiert“, so Kaegi. Und Otello unterliegt der Eigendynamik, die die tödliche Intrige von nun an entwickelt.
Samuel Bächli, seit Jahren bewährter MD am MiR, unterstützt als musikalischer Leiter ausdrücklich die Konzeption seines Landsmannes Kaegi. Otello ist eine seiner „Wunschopern”, für Bächli eines der perfektesten Werke des Musiktheaters überhaupt wegen der großartigen, klangmalerischen Effekte. Die für diese Oper einmalige, „unendliche Melodie” von Verdis Spätwerk möchte er mit seinen Musikern und Sängern voll zum Klingen bringen. Auch an die Chöre von Christian Jeub, in der Oper erstaunlich stark vertreten, sind deshalb höchste Ansprüche gestellt.
Die Rolle des Otello ist eine der schwierigsten Tenorpartien des gesamten Opernrepertoires, die nur ganz wenige Sängerspezialisten beherrschen. Mit Keith Olsen als Gast, der diesen Part schon an großen Häusern wie der Mailänder Scala oder der Covent Garden Opera London gesungen hat, haben die Gelsenkirchener einen Tenor der Extraklasse verpflichtet, auf den man besonders gespannt sein darf. Ebenfalls als Gast ist Rémi Garin in der Rolle des Cassio zu hören. Vom hiesigen Ensemble singt Noriko Ogawa – Yatake, alternierend mit Hrachuhi Bassenz, die Desdemona. Mit einer der attraktivsten, aber „schweren“ Rolle, mit der des Bösewichts Jago, ist Jee – Hyun Kim besetzt. Eine reizvolle Aufgabe für den beliebten Gelsenkirchener. In weiteren Partien sind zu hören Anna Agathonos, William Saetre, Christian Helmer und Wolf – Rüdiger Klimm.

Die Redaktion wünscht dem MiR viel Glück und Professionalität für eine erfolgreiche Premiere!

hjk


Weitere Aufführungen im Januar und Februar : 31.01./ 06.02.; 17.02; 22.,02., 24.02.!

Karten unter 0209/ 4097 - 200