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Aktueller Monat: Mai 2012


Neues Ballett von Bernd Schindowski:

„Showtime – die legendäre Stimme der Yma Sumac”

Gelsenkirchens Ballettchef Bernd Schindoski ist bekannt dafür, dass er gerne die Inspiration für außergewöhnliche Ballettproduktionen sucht. Erst kürzlich hatte er mit „Clowns” einen beachtlichen Erfolg zu verzeichnen. Diesmal überrascht er mit seiner Compagnie mit der Uraufführung von „Showtime – die legendäre Stimme der Yma Sumac”.

Was macht die Gesangslegende Yma Sumac aus? Die aus Peru stammende exaltierte Sängerin mit dem außergewöhnlichen Stimmumfang von viereinhalb Oktaven wurde in Hollywood und am Broadway Anfang der fünfziger Jahre ein Weltstar. Yma Sumac, ein Stimmwunder, das ähnlich wie Nina Hagen gurrend und krächzend aus reibigen Tiefen bis in kunstvoll höchste Koloraturen in sekundenschneller Virtuosität wechseln konnte. Ihre Legende erzählt, dass sie, was wohl kaum der Wahrheit entspricht, Nachkomme des letzten Königs der Mayas und somit eine Inkaprinzessin sei. Überhaupt gibt es um ihr Leben die skurrilsten Überlieferungen um die Authenzität ihrer Herkunft. Schindowski spielt mit „Showtime” auf die widersprüchliche Vita der in Hollywood berühmt gewordenen Sängerin an, er stellt die „Lebensschau” dieser Frau in den Mittelpunkt seines Balletts.
Eines ihrer bekanntesten Schallplatten ist „Voice of Xtabay”. Die zauberhafte Legende von „Xtabay”, wörtlich übersetzt „die dämonische Frau”, erzählt von Mythen der Mayas um Schönheit und Sinneslust, um Exotik und Erotik, um Wärme und Kälte, um Liebe und Hass zweier Frauen in einer Person. Beide von gleicher Schönheit, die eine gutherzig und lustbetont, sich den Männern hingebend; die andere abweisend und kaltherzig, aber keusch und rein. Ihr Ende kann unterschiedlicher nicht sein:„Xtabays” Tod wird vom Gesang der Vögel und dem berauschenden Duft herrlichster Blumen begleitet, die andere wähnt deshalb böse Dämonen im Spiel. Ihr Tod nimmt ein nicht erwartetes Ende: Von ihrem Grab geht ein verheerender Gestank aus, der die Dorfbewohner vertreibt.
Dieser Mythos wird in den Liedern der Sumac, fast durchgehend von lateinamerikanischen Rhythmen geprägt, neu erfunden. SHOWTIMEDie ungeheure Dynamik und Rhythmik dieser Musik war es, die Schindowski für sein neues Ballett inspirierte. Dabei setzt er nicht nur auf von Folklore geprägte Rhythmen, sondern auch auf fetzige Revuenummern aus Yma Sumacs Hollywood–Ära, durch die sie hauptsächlich in den fünfziger Jahren berühmt wurde. Hier ist für das Ballett „Showtime” angesagt. Beachtlich, wie dynamisch die Tänzerinnen und Tänzer die Themen in den verschiedensten Rollen und Szenen umsetzen, Figuren und Bewegungsabläufe immer aus der Rhythmik der Songs geboren. All das, was da quasi in fliegendem Wechsel über die Bühne fegt, strahlt Spaß am Tanz aus und ist Revue auf hohem Niveau. Die Aktiven bedanken sich bei ihrem Chef mit tänzerischer Leichtigkeit und Präzision, selten haben wir unser Ballett so präsent erleben dürfen.
Bei all der Freude für die sinnesfreudige Performance bei mitreißenden Mambo-, Rumba oder Tangorhythmen - da geht man selbst im Zuschauerraum mit - will Schindowskis seine „Showtime” nicht auf US- amerikanische Revue-Shows reduzieren, er will sein Ballett als eine Hommage an die verschiedenen Facetten im Erscheinungsbild der Frau verstanden wissen, in dem der Mann nur eine untergeordnete Rolle spielt. Mal ist sie Engel oder Braut, dann wieder Verführerin und Prostituierte. Hier dominiert sie den Mann, da spielt sie die unterwürfige und anpassungsbereite Frau.
In ständigem Wechsel mit rasantem Kostümtausch stellen 7 Tänzerinnen (Priszilla Fiuza, Melania Belfiore, Stephanie Blasius, Marika Carena, Chiou-o Chiang, Alina Köppen und Mayumi Miyake) dieses Bild der Frau überzeugend dar. Ebenso – teilweise in Frauenrollen - die Tänzer (Min-Hung Hsieh, Bogdan Khovynitskiy, Kostyantyn Grynyuk, Simeon Long und Jakub Spocinski). Als Gast sehen wir Regina Jannoff in der stummen Rolle der Mutter und Garderobiere. Ihre Auftritte wurden beim Publikum als „störend” empfunden, in der Schlussszene setzt sie dem Geschehen sozusagen „die Krone auf”. Warum wohl dieser Verfremdungseffekt? (Nur wer sich eingehender mit der Lebensgeschichte der Yma Sumac beschäftigt, könnte erahnen, was die Dramaturgie uns bedeuten will.)
SHOWTIME2Bernd Schindowskis neue Ballettinszenierung (choreografische Mitarbeit Rubens Reis, Dramaturgie Johann Casimir Eule), trefflich ins Licht gesetzt mit showtauglichen Effekten von Bühnenbildner Manfred Dorra und den herrlich stimmigen Kostümen und Accessoires von Andreas Meyer, wurde von wohl allen Premierenbesuchern begeistert aufgenommen. Standing Ovations für das ganze Team.
„Showtime – die legendäre Stimme der Yma Sumac” ist ein großer Erfolg für die hiesige Ballettszene und könnte in Gelsenkirchen Kultcharakter annehmen. Warum nicht demnächst im Großen Haus, denn da gehört „Showtime” eigentlich hin.
hjk

Termine: 24. und 31. März, 15. und 21. April 2007.

Karten an der Theaterkasse, Tel. 02 09 / 40 97-200.

Fotos: FOTO Majer-Finkes