Glückliche Türken im Halbfinale
In einem schier unglaublichen Viertelfinale bezwang das türkische Fußball-Nationalteam die Mannschaft Kroatiens mit 3:1 nach Elfmeterschießen.
In der letzen Minute der Verlängerung gelang den Kroaten des 1:0 und damit der schon sicher geglaubte Sieg. Doch in den letzten Sekunden der Partie gelang den Türken mit dem Mut der Verzweifelung der Ausgleich.
Im folgenden Elfmeterschießen versagten die Kraten völlig und die Türkei konnte jubeln – nicht nur im Stadion sondern auch auf den Straßen Gelsenkirchens. Johlende Fans zogen durch die Stadt, blockierten mit ihren Autos fahnenschwenkend Kreuzungen, feierten ohne Ende.
Die Türkei ist nach einem Elfmeter-Krimi das vorletzte Hindernis der deutschen Nationalmannschaft auf ihrer Bergtour zum europäischen Fußball-Gipfel. Das kampfstarke Team trifft bei seiner ersten Halbfinalteilnahme zum ersten Mal in einer EM-Endrunde auf die DFB-Auswahl.

Jubelnd fuhren unsere türkischen Nachbarn nach dem Sieg gegen Kroatien auch durch Horster Straßen. Bild: Schmidt
Der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ersparten die "Halbmonde" damit am Mittwoch (20.45 Uhr/live im ZDF) in Basel ein Wiedersehen mit deren Vorrundengegner: Im zweiten Gruppenspiel hatte das deutsche Team gegen Kroatien 1:2 verloren. Für den ersten Halbfinaleinzug der Türken sorgte vor 51.428 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion von Wien Torhüter Rüstü, der den Elfmeter des Dortmunders Mladen Petric abwehrte. Zudem verfehlten Jungstar Luka Modric und der Schalker Ivan Rakitic das Tor. Den entscheidenden Treffer markierte der Münchner Hamit Altintop. In der Nachspielzeit der Verlängerung hatte der eingewechselte Semih die kroatische Führung durch den Bremer Ivan Klasnic (119.) ausgeglichen.
Bundestrainer Löw hat zwar nach dem 3:2 im Viertelfinale gegen Portugal das Endspiel als Ziel ausgegeben, der Gegner auf dem Weg dorthin flößt ihm aber Respekt ein: "Die Türken haben im bisherigen Turnierverlauf gezeigt, dass mit ihnen immer zu rechnen ist, egal wie der Spielstand ist. Sie sind sehr, sehr unberechenbar und dadurch auch gefährlich. Sie haben sehr gute Einzelspieler, die technisch auf einem hohen Niveau spielen. Ich kenne natürlich auch die Mentalität der Türken. Wenn es bei ihnen läuft, sind sie zu Außergewöhnlichem fähig."
Löw spricht aus Erfahrung: In der Saison 1998/99 war er Trainer beim türkischen Spitzenklub Fenerbahce Istanbul, 2001 noch einmal bei Adanaspor. Und auch der Respekt kommt nicht von ungefähr.
Zweimal gelang es den Türken im Verlauf der EM-Vorrunde, verloren geglaubte Spiele noch aus dem Feuer zu reißen. Jeweils nach Rückständen warfen sie erst Gastgeber Schweiz aus dem Turnier (2:1), dann mit einer furiosen Aufholjagd im Vorrunden-Endspiel auch die Tschechen (3:2).