FAMILIENPOST
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Aktueller Monat: Mai 2012


„Der Turmbau zu Babel oder Café Babylon”

Beeindruckende Fortsetzung der Reihe
HEAVY MUSIC – COOL LOVE

Schon lange vor der Premiere im Kleinen Haus durfte man auf Bernd Schindowskis diesjährige Neuinszenierung aus der so erfolgreichen Reihe „Heavy Music – Cool Love” besonders gespannt sein.

Im Vorfeld waren Bürger unserer Stadt dazu aufgerufen, mit einer Sammelaktion von nicht mehr benötigten Büchern bühnenbildnerisch beim Turmbau mitzuwirken. Das gelang mit überwältigendem Zuspruch.
Jedes Jahr finden sich theaterbegeisterte Jugendliche aus verschiedenen Schulen Gelsenkirchens und Umgebung, die gemeinsam mit Schindowskis Ballettcompanie ein Theaterprojekt aus Darstellung und Tanz, Musik und verschiedenen Bewegungsformen unter einer bestimmten Thematik auf die Bühne bringen.
Der Turmbau zu Babel-Bild1Schülerinnen und Schüler (Gesamtschule Ückendorf, Gelsenkirchen)

In diesem Jahr stellte man sich der bekannten mythischen Erzählung „Der Turmbau zu Babel“ und versuchte in vier Szenen mit den Mitteln des Theaters die biblische Parabel vom Verlust der gemeinsamen Sprache auf das Heute zu projizieren. Im „Café Babylon” – bei Bühnenbildner Manfred Dorra eher eine Bibliothek der Gedankenfülle - kommt die Jugend der Welt zusammen und stellt Forderungen, wie die Welt von morgen auszusehen hat. Da will man nichts mehr mit dem von Gott verordneten Sprachverlust zu tun haben. Die jungen Leute verstehen sich als Menschen aus verschiedenen Kulturen (Deutsche, Türken, Libanesen, Russen, Spanier und Vietnamesen, Menschen aus aller „Herren“ Länder), die über alle Grenzen hinweg gemeinsam miteinander leben und arbeiten, sich freuen und leiden, die sich mit einer Sprache „verstehen“ wollen. Mit künstlerischen Mitteln drücken sie ihre Hoffnung als Botschaft für eine bessere Welt aus, in der die Menschen in einer Sprache eine friedliche von Kultur geprägte Welt bauen wollen gegen die zerstörerischen Kräfte von Unrecht und Gewalt, gegen Krieg, gegen Völkermord von gestern und heute. Das gelingt den Schülern auf eindringliche Weise. Die Brücke zur gemeinsamen Kommunikation ist für sie die Kunst des Tanzes und der Musik. Um es mit einem Schülerkommentar auszudrücken: „Tanzen ist Kommunikation! Tanzen ist Kultur!” Bei der Umsetzung dieser Gedankenwelt in Text, Tanz und Musik gelingt Bernd Schindowski und seinem Assistenten Rubens Reis Großes, nicht nur konzeptionell, sondern auch bei der Anleitung und Durchführung der einzelnen Szenen. Mit pädagogischem Einfühlungsvermögen ordnen sie zusammen mit dem Ballett die verschiedenen Handlungsstränge und Musikbeiträge aus Hiphop, Pop, Folklore und Klassik zu einem künstlerischen Gesamtwerk. All diese Abläufe zu einem Bühnenspektakel zu formen gelingt ihnen über den „Tanz der Kulturen”. Hier leisten die Tänzer/innen Bewährtes.
Das Besondere an diesem Experiment ist - gerade auch für die Ausbildung und Förderung verschiedenster Kompetenzen in der Schule -, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Texte weitgehend selber geschrieben und vertont haben. Erstmalig waren in der Aufführung die Kompositionsbeiträge von einer Live – Band zu hören, Violine, Spinett und Akkordeon inbegriffen. Großartig und gekonnt! Insgesamt war dazu ein Höchstmaß an Gedankenaustausch und Kommunikation erforderlich. Wenn man bedenkt, dass für die diesjährige Produktion Texte und Kompositionen schulübergreifend zur Bearbeitung weitergegeben, vervollständigt und verbessert werden mussten, bekommt man einen Eindruck, wie viel Einsatzbereitschaft und Disziplin bei der Umsetzung des Projekts von Seiten der jungen Künstler aufgebracht werden musste. Das Ergebnis dieses „Gesamtkunstwerkes” kann sich sehen lassen. Die Akteure, das sind Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Ückendorf, des Städtischen Pestalozzi – Gymnasium Herne, der Erich Kästner Realschule Gladbeck, der Frida – Levy – Gesamtschule Essen, des Gymnasium Hammonense Hamm und des Kulturverein Kinor aus Gelsenkirchen mit ihren engagierten Lehrern. Für die Kostüme sorgte die Gruppe Textilgestaltung der Gelsenkirchener Hauptschule am Dahlbusch.
Der Turmbau zu Babel-Bild2Schülerinnen und Schüler (Gesamtschule Ückendorf, Gelsenkirchen), Priscilla Fiuza (Ballett Schindowski) und die Band der Gesamtschule Ückendorf, Gelsenkirchen

Erfrischend spontan konnten die jungen Akteure einem begeisterten Publikum zeigen, was sie drauf haben und dass sich all ihr Zeitaufwand und ihre Mühen am Ende gelohnt haben. Das drückten sie auch am Ende ihrer Aufführung erleichtert aus. Bei nicht enden wollendem Beifall wurde der Erfolg fröhlich gefeiert. Mit Tanz natürlich!

hjk

Bilder: Majer - Finkes



Weitere Aufführungen:
12., 13., 14. und 19. Juni jeweils 11.00 Uhr
16. Juni, 18.00 Uhr
17. Juni, 15.00 Uhr


Tickets: Tel. 0209/ 4097 - 200