|
|
Propst Wenker - ein Mann mit „Horster Format“ starb vor 50 Jahren
Am 16. August vor 50 Jahren starb Propst Wilhelm Wenker, Ehrenbürger der Stadt Gelsenkirchen, zu dessen Gedenken der „Geschichtskreis Horst", bestehend aus den Hobby Historikern Reinhold Adam, Karl-Heinz Breil und Norbert Schäfer, sein Wirken zum Wohle der Menschen zusammenstellte:
„Priester mit sozialem Herzen - Propst Wenker gestorben"
lautete der Titel des Nachrufs in der Horster Zeitung anlässlich des Todes von Propst Wilhelm Wenker, der 46 Jahre seines 58-jährigen Priestertums als Pfarrer in der St. Hippolytus-Gemeinde wirkte und als Geistlicher, Mensch und Bürger bleibende Akzente setzte.
Der „Geschichtskreis Horst" erinnert sich seines Wirkens, da Propst Wenker nicht nur als Kirchenmann und Priester hoch angesehen war. Als Bürger prägte er den Begriff vom „Horster Format", das mit „Christentum der Tat", sozialer Einstellung, Solidarität oder einfach auch als praktizierende christliche Nächstenliebe bezeichnet werden kann. Adam: „Propst Wenker nahm unter den bedeutenden Priestern des rheinisch-westfälischen Industriegebietes seinerzeit die erste Stelle ein.
Ein Mann der Tat
„Aufgeschlossen für die Forderungen der Zeit und getragen von klugem Lebenssinn war er unermüdlich in seiner Pflichttreue vor Gott und an den ihm anvertrauten Menschen. Propst Wenker war immer da, wo man ihn brauchte - kein Weg zu weit für einen Versehgang und keine Stunde zu spät, kein Stockwerk zu hoch, wenn es galt, seine Pfarrkinder zu besuchen. Er blieb zeitlebens seinem Wesen treu; anspruchslos und bescheiden, konziliant in der Form, doch fest und unbeirrbar in der Sache, so ging er auch in schweren Zeiten den Weg, den sein Amt ihm wies. Auch dann, als er selbst völlig ausgebombt war, als Kirche, Pfarrhaus und Krankenhaus den Bomben zum Opfer gefallen waren, hielt er in Horst aus. Was die Pfarrgemeinde ihm verdankt, das lässt sich nicht in Worte fassen" so würdigte die Kirchengemeinde sein Wirken in Horst in der Festschrift „375 Jahre St. Hippolytus“ im Jahre 1965.

Das Foto das damals durch die Presse ging: Propst Wenker als engagierter Redner am 31.5.1949 bei der Protestkundgebung auf dem DJK-Sportplatz Auf dem Schollbruch. Dahinter links Oberbürgermeister Robert Geritzmann.
Wilhelm Wenker, am 19. 9. 1874 in Telgte geboren, wurde am 4. Juni 1898 in Münster zum Priester geweiht und gelangte über seine erste Anstellung in Gladbeck nach dem Tod des Pfarrers Marferding als Pfarrer zu St. Hippolytus. Der neue Pfarrer wurde am 19. Dezember 1910 an der Ortsgrenze zu Gladbeck festlich durch die Pfarrgemeinde eingeholt und am folgenden Tag feierlich in sein Amt eingeführt, wo er bis zu seinem Tode seelsorgerisch tätig war. Er erlebte die Zeitspanne von der wilhelminischen Zeit bis zum Wiederaufbau in der Nachkriegszeit und scheute sich nicht, sich mit den Machthabern des dritten Reiches mehrfach anzulegen Dadurch geriet er in die Mühlen der Gestapo (Geheime Staatspolizei). Am 12.11.1940 wurde er von einem Sondergericht „wegen erwiesener Unschuld“ freigesprochen, wie er es in seinem Tagebuch vermerkte. Sein Verbrechen: am 28. Juli 1940 hatten vier Polen seiner Messe beigewohnt.
Er wirkte auch unermüdlich im Kampf gegen die Demontage vom Hydrierwerk Horst der Gelsenberg Benzin AG, das nach den Willen der damaligen alliierten Machthaber dem Erdboden gleichgemacht werden sollte. Propst Wenker stand in der ersten Reihe der großen Protestkundgebung am 31. Mai 1949 auf dem Sportplatz „Auf dem Schollbruch" - neben Oberbürgermeister Robert Geritzmann, seinem evangelischen Amtsbruder, Gewerkschaftern aller politischen Richtungen, einfachen Arbeitern und Müttern, die sich um ihre Existenz sorgten.
Ernest Bevin, der damalige britische Außenminister, der der Gewerkschaftsbewegung entstammte, wurde ebenso kontaktiert wie die englische Königin, sie wurde in einem Telegramm im Kampf gegen die Demontage von den Horstern Frauen der Kirchengemeinden um Hilfe gebeten.
Anlässlich seines 40-jährigen Priesterjubiläums in St. Hippolytus am 30.11.1950 - 15 Jahre vorher hatten die Nazis die Feier zum 25. Priesterjubiläum untersagt - wurde er für seinen Einsatz gegen die Demontage von Gelsenberg Benzin AG zum Ehrenbürger der Stadt Gelsenkirchen ernannt.
In der Laudatio hieß es der neue Ehrenbürger habe weit mehr getan, als seine geistliche Wirksamkeit ihm auferlegte. Was er geschaffen, sei das Werk eines Priesters und Menschen. Es wurde u.a. erinnert an das St. Josef-Hospital, an den Wiederaufbau der Kirche, der Einrichtung des Gesellen- und Jugendheimes und sein offenes Herz für den sozialen Wohnungsbau und für Siedlungen, für deren Zwecke er Gelände zur Verfügung gestellt habe.
Am 30. November 1955 verlieh man ihm das Bundesverdienstkreuzes (Steckkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Wilhelm Wenker starb am Abend des 16. August 1956 im Alter von 81 Jahren. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in einer Gruft der Kirchengemeinde auf dem alten Friedhof in Horst, wo er unter große Anteilnahme der Gelsenkirchener Bevölkerung beigesetzt wurde.
Auch nach seinen Tod erfuhr der Propst noch zahlreiche Würdigungen für seinen unermüdlichen Einsatz im Dienste des Menschen. So erhielt die Straße zwischen der ehemaligen Schloss- und der Industriestraße am 22. Oktober 1956 den Namen Propst-Wenker-Straße. In der Kapelle des Turms der St. Hippolytus-Kirche in Horst wird am 21. August 1957 eine Gedenktafel zu Ehren Wenkers eingeweiht und im Jahr 1982 wird das Denkmal für Wilhelm Wenker im Rahmen der 700-Jahr-Feier der Freiheit Horst in Anwesenheit des Ruhrbischofs Franz Hengsbach an der St. Hippolytus-Kirche aufgestellt.
Gemeinde ehrt ihren Propst
Aus Anlass seines 50. Todestages lädt die Hippolytus-Gemeinde zu besonderen Gottesdiensten ein.
Am 15.08. (Hochfest Maria Himmelfahrt) feiert man um 18.00 Uhr eine Marien-Vesper in der Kirche in der auch des verstorbenen Propst Wilhelm Wenker gedacht wird.
An seinem Todestag, dem 16.8., feiern man Eucharistie wie gewohnt um 8.30 Uhr. Anschließend - so gegen 9.30 Uhr - erfolg eine Kranzniederlegung an seiner Gedenkstätte vor der Kirche. Zu diesem Gottesdienst und der anschließenden Gedenkfeier hat sich auch unser Oberbürgermeister Frank Baranowski angekündigt.
|
|